Opel Kadett C Cup

von Günter Eberlein

Technische Daten

Baujahr:

1977

Motor:

4-Zylinder Reihe

Hubraum:

1178 cm³

Leistung:

60 PS bei 5400 U/min

Max. Drehmoment:

88 Nm bei 3400 U/min

Getriebe:

4 - Gang

Verbrauch (L/100km):

Super 7 - 11 Liter

Höchstgeschwindigkeit:

142 km/h

0 - 100 km/h in:

17,5 Sekunden

Leergewicht:

855 kg


Allgemeine Informationen

Der damalige Werksbeifahrer Willi-Peter Pitz (zeitweise auch mit Walter Röhrl unterwegs), hatte 1978 die Idee einen Rallye Nachwuchs-Cup mit günstigen Opel Fahrzeugen ins Leben zu rufen. Hierzu schwebte ihm der Kadett C 1,2 vor, der auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu der Zeit zwischen 3 und 4000,- DM zu bekommen war.

 

Bei den Verantwortlichen bekam er zuerst kein Gehör, da er natürlich auch Geld aus dem damaligen Rallye-Budget haben wollte. Vor allem hatte der damalige Sportchef Toni Fall Angst, das von seinem WM Programm Gelder abgezogen würden. Als WiPi einige namhafte Sponsoren (Matter, Pirelli, ATS, Mobil-Öl usw. für seine Idee gewinnen konnte, fand er einen wichtigen Mann aus dem Vorstand der bereit war die Sache mit zu finanzieren. Allerdings gab es Skepsis, ob man denn wirklich mit einem 60 PS Auto werbewirksam bei Rallyes starten könne.

 

WiPi hatte die geniale Idee, das damalige in Opel Diensten stehenden Gewinnerteam der Europameisterschaft, Joche Kleint/Gunter Wanger in solch ein Auto zu setzen und bei der internationalen Rallye Köln Ahrweiler starten zu lassen. Das Auto mit dem Kennzeichen GG-CA700, welches PiPi´s Dienstwagen war wurde dann erfolgreich bei dieser Rallye eingesetzt mit dem Resultat eines Klassensiegs und einem 15. Platz im Gesamt, bei internationaler Besetzung und ca. 150 Startern - und das alles mit 60PS!

 

Jetzt war es klar, der Nachwuchs Cup wurde für 1979 ausgeschrieben. Der Dienstwagen wurde optisch mit einem blauen Streifendesign und den entsprechenden Sponsoraufklebern versehen und diente 2 oder 3 Jahre als Dienstwagen, Anschauungsobjekt, und auch als Fotomodell für Klebeanweisungen und erlaubten Veränderungen in den Ausschreibungen.

 

Im ersten Jahr konnte WiPI 120 Einschreibungen verbuchen. Grund für diese hohe Zahl von Interessenten war sicher nicht nur die Auszahlung hoher Geldpreise, der günstige Einstig von unter 10000,- DM für ein fertiges Rallyeauto, sondern auch die Tatsache, dass der Gewinner des Cup´s drei Einsätze bei Europameisterschaftsläufen in einem ca. 250 PS starken Werks-Ascona 400 bekam.

 

Ab dem Jahr 1980 durfte auch der neue Kadett D mit Frontantrieb und 75 PS in diesem Cup starten. Opel hatte natürlich Interesse daran mit dem neuen aktuellen Wagen Werbung zu machen, was für sie leider nicht aufging - der Kadett C mit Heckantrieb und 15 PS weniger war trotzdem schneller!

 

Daraufhin machte man für das Jahr 1981 und 82 getrennte Wertung. Danach war die Zeit des C-Kadett leider vorbei, und die Starterzahlen erreichten nie mehr die Höhe der beiden Anfangsjahre. Die Idee eines Nachwuchscups auf günstigen Opel Fahrzeugen wurde aber weitergeführt mit dem Opel Junior Cup auf Corsa A.

 

Das Ursprüngliche Dienstauto von WiPi mit dem Kennzeichen GG-CA 700 gibt es wohl nicht mehr. Ich hatte die Idee es nachzubauen, umgesetzt und mittlerweile erfahren das ich anscheinend der Einzige in Deutschland bin der das gemacht hat.

 

Zum 40-Jährigen "Kadett-Cup" Jubiläum bin ich Ende Juni nach Rüsselsheim eingeladen, da die Opel Classic Abteilung selbst nicht über solch ein Fahrzeug verfügt. Zu diesem Jubiläum sind etliche damalige Cup-Fahrer eingeladen und was mich besonders freut, die Europameister Kleint/Wanger haben ebenfalls Jubiläum "40 Jahre Europameisterschaft für Opel) und ihr Kommen zugesagt.

Geschichte und Zustand

Volvo P1800 S
Volvo P1800 S

Nachdem ich 1987 meinen Helm an den berühmten "Nagel" gehängt hatte, wurde es mir schnell langweilig und ich beschloss einen Oldie zu restaurieren. Ein Volvo P1800 S aus Kalifornien wurde angeschafft und in 6 Jahren restauriert. Nebenbei fuhr ich im Alltag einen unrestaurierten Volvo Amazon. Wenig später kam wieder mal der Wunsch auf das gleiche Auto zu fahren, womit ich 1987 bei der Rallye mit aufgehört hatte, einen Kadett GTE 2. Nach fast 2-jähriger Suche fand ich einen im originalen und restaurierten Zustand und der Amazon wurde verkauft. Jetzt hatte ich zwei tolle Oldies, die mir einfach zu schade waren, um sie täglich auch im Winter zu fahren, was ich 1 Jahr mit dem Kadett machte.

Opel Kadett GTE
Opel Kadett GTE

Ein sehr gutes Angebot eines Sammlers konnte ich nicht ausschlagen und der Volvo P1800S ging nach Regensburg. Ein Alltagsauto Mercedes 190E kam ins Haus und der Kadett wurde jetzt nur noch als "Klassiker" bewegt. 2006 bot ein Freund mir eine Kadett C Limousine mit Automatik an. Der Wagen war unverbastelt und hatte wenig Rost. Mein Freund musste aus seiner Schrauberhalle raus und das Auto war jetzt übrig. Da ich ja einen Oldie hatte, lehnte ich zuerst ab. Aber dann kam mir ein Gedanke wieder in den Kopf den ich schon öfter "gepflegt" hatte - einfach mal ein "Kadett -Cup" Auto nachbauen. Leider war ich damals räumlich noch nicht wieder in der Lage selbst Schweißarbeiten zu erledigen. Mein Freund machte mir einen guten Preis für den Wagen und darin enthalten sollten auch die nötigen Schweißarbeiten sein! Gesagt, bezahlt und abgemacht - und dann habe ich einen Fehler gemacht, ich meinet zu ihm, dass er sich gerne Zeit lassen könne! Es vergingen 7 Jahre und da das Auto nicht bei mir stand habe ich tatsächlich vergessen, dass ich noch dieses Auto besaß!

 

2013 bin ich dann für ca. 2 Jahre erkrankt und hatte den Spaß an Oldies völlig verloren, verkaufte auch den Kadett GTE in die Schweiz, weil mir klar war das ich nicht mehr an meine Arbeitsstelle zurück gehen konnte. Da es aber bis zum Eintritt in die Rente noch ein wenig zu früh war hatte ich Angst das meine finanzielle Situation sich sehr verschlechtern würde. Nach ca. einem Jahr ging es mir etwas besser und ich konnte meine Situation besser einschätzen, ebenfalls kam die Lust am Oldie so langsam wieder. Da ich ja den Besitz meiner Kadett Limousine schon vergessen hatte, schaute ich mich nach einem Opel Rekord E Caravan um.

Opel Rekord als Servicefahrzeug (Rothmanns)
Opel Rekord als Servicefahrzeug (Rothmanns)

Nachdem ich die Idee hatte etwas Besonderes daraus zu machen, kam ich nach langer Recherche dahinter, dass Opel 1982 und 83 bei den WM Läufen in Afrika 3 dieser Rekord als Schnellservicefahrzeuge eingesetzt hat. Der Hauptsponsor damals war die Zigarettenfirma Rothmanns. Mit diesem Design waren alle Einsatzfahrzeuge und auch die Serviceautos lackiert. Ich fand einen Rekord im ungeschweißten Zustand mit 44000 Km und baute ihn nach den Werksvorbildern auf. Ende 2016, bei einem alt Opel-Treffen meinte dann mein Freund zu mir: "Ist dein Kadett Projekt jetzt eigentlich gestorben"? "Ach ja, ich habe ja noch mein Auto bei dir stehen, ist der denn schon fertig geschweißt?" Kai: "Nö, du hast ja nicht mehr gefragt!"

 

Als ich ihm dann sagte das es von mir jetzt sicher keine Ungeduld wäre, dass ich nach ca. 10 Jahren mein Auto doch schon mal fertig geschweißt haben wolle, machte er sich dann auch an die Arbeit. Da er vom Fach ist wurden die Arbeiten sauber und fachmännisch erledigt, holte den Wagen dann Anfang 2017 in meine Garage und fing an ihn neu aufzubauen.

 

Mittlerweile war ich richtiger Rentner, hatte viel Zeit und kniete mich voll in das Projekt "OPEL KADETT CUP". Die Saison 2018 wurde dann mit dem Kadett bestritten - und der bleibt jetzt bei mir!